Souveräner sein – wer will das nicht

Souveränität zeigt sich im Denken („Cogito ergo sum“), im Gefühl („Ich bin o.k“ oder besser „ich bin nicht o.k., du bist nicht o.k. und das ist o.k.“) sowie im Verhalten (Selbstbewusstsein und Sicherheit).

Souveränität kommt aber nicht von selbst.

Wenn ein Kind geboren wird, profitiert es vom Gefühl der Sicherheit, der körperlichen Zuwendung und der anregenden Umwelt.

Daraus entsteht ein Basis-Gefühl tiefer Sicherheit, tragfähiger Bindungen und der geistigen und psychischen Kompetenz, alles Voraussetzungen für eine äußere und innere gesunde Persönlichkeitsentwicklung.

Aber es entwickelt sich alles nicht von selbst. Es gibt Entbehrungen, Enttäuschungen, Frustrationen, Widerstand, Streit, Auseinandersetzungen. („Meine Freiheit bezieht und beschränkt sich immer auch auf die Freiheit des anderen“). Jeder Mensch will frei sei und glücklich, aber es gibt auch andere mit diesem Anspruch. Ich will, aber andere wollen auch…

Die griechische Philosophie beschreibt Entwicklung sowohl im individuellen wie auch sozialen Sinn als Ergebnis von Widerstand, Auseinandersetzungen, Konflikte und auch kriegerischen Handlungen.

Die deutsche Philosophie z.B. bei HEGEL werden Entwicklungen nur denkbar und Konflikte nur lösbar, wenn es aus verschiedenen Gegensätzen zu einer Lösung der höheren Ordnung kommt.

Es wird also einer These deren Gegenteil gegenübergestellt, also eine Antithese und diese beiden führen wiederum zu einer Synthese, sei es eine neue Lösung, Entwicklung, Regel, Ordnung oder Energie. Im Wechsel von These und Antithese entwickelt sich individueller wie auch sozialer Wohlstand, Ausgleich und Fortschritt.

So kommen wir dazu, Widerstand als notwendige, Bedingung zu sehen, um Entwicklung zu ermöglichen, dem Anspruch unterschiedlicher Bedürfnisse zu genügen und die nötige Sicherheit zu generieren.

Autoritäre Systeme versuchen, diesen Widerstand zu unterbinden, zu sanktionieren und legen es darauf an, deren Machtansprüche zu rechtfertigen. Auch religiöse Gemeinschaften benutzen Gefühle von Schuld und Gewissen, um einen Widerstand erst gar nicht entstehen zu lassen. So wird Unterdrückung mit den Mitteln von Angst und Schuldgefühlen etabliert, gefestigt und sanktioniert.

Revolutionäre Bewegungen, individueller Widerstand und soziale Auflehnung zeigen, dass dies auf Dauer nicht funktionieren kann.

Auch im privaten Bereich ist Unterwerfung keine Lösung, Anpassung funktioniert nicht. Widerstand eröffnet Perspektiven und Auswege. Aus deren Dialektik erwächst Energie, Schöpferisches und neue Impulse und Verbindungen.

Lösungswege

In der Übung zur gewaltfreien Kommunikation werden neue Muster der Kommunikation eingeübt, in der Mediation werden diese Modelle zur Konfliktlösung benutzt.

In der psychologischen Analyse werden diese Widersprüche aufgedeckt und durchgearbeitet, sodass Verdrängungen beseitigt werden und gesunde Verhaltensweisen sich bilden können.

In der Erziehung wie ich im sozialen Leben wird dieser Prozess als Analyse von Widerstand und Verdrängung beschreibbar, erklärbar und so bilden sich Lösungswege hin zu Souveränität, Autonomie und verantwortlichem Handeln.

In der Pubertät etwa proben die jungen Heranwachsenden im Konflikt mit elterlicher Autorität und deren Normen und Werten die neu gewonnene Freiheit, Stärke und sich entwickelnde Souveränität…

Aber ganz wichtig ist, dass Widerstand nicht als Selbstzweck zu sehen ist. Dieser ist notwendig, sogar lebenswichtig. In der psychotherapeutischen Arbeit etwa zeigen sich oft sehr erstaunliche Widerstände gegenüber dem therapeutischen Prozess. Widerstand hat demnach auch eine stützende und lebenserhaltende Funktion. Sie verhindert, dass Gewohntes nicht zu leicht weggeworfen wird, ohne dass neue Sicherheit entstanden sind.

Deswegen brauchen Konflikte und deren Lösung und Bewältigung oft eine längere und geduldige Begleitung, dauert der psychotherapeutische Prozess oft lange, bis sich neue stabile Muster einstellen und bewähren können.

Souveränität entwickelt sich also nicht sofort und ganz leicht. Sie muss erarbeitet werden und nur so ergibt sich eine gelungene Synthese zwischen eigenen Empfindungen, Gefühlen, und Anforderungen im Verhältnis zu denen der Umwelt.

Übung

Diskutiere mit einer Person diesen Satz „Ich bin nicht o.k., Du bist nicht o.k. Und das ist o.k.!“.

Zusätzliche Aufgabe:

Alternative 1: provozierend, rechthaberisch und gereizt.

Alternative 2: unterwürfig, passiv und kraftlos und

Alternative 3: anschließend im Sinne einer gewaltfreien Debatte: konstruktiv und lösungsorientiert, gewaltfrei und motivierend.

Definiert, besser dokumentiert gemeinsam das Ergebnis dieser „Auseinandersetzung“ sowie den Kompromiss und bewertet verschiedenen Alternativen.

 

Mehr dazu auf youtube unter : coaching Leinhofer

 

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