Der biologische Sinn von Schmerz ist Information und Hilfe zur Heilung. Neben dem körperlichen Schmerz, den jeder kennt, steht der seelische Schmerz, der uns eben auch das ganze Leben, von der Geburt bis zum Tod begleitet.

Zumeist wird der Schmerz als Feind angesehen, der das Wohlbefinden stört, Unbehagen und Ungemach nach sich zieht.  Wir sind gewöhnt, zumeist mit ärztlicher Hilfe und Medikamenten den Schmerz zu „besiegen“ oder wenigstens zu lindern. Das ist zwar oft nicht zu umgehen, aber ist das die ganze Weisheit?

Betrachten wir den psychischen Aspekt von schmerzlichen Erfahrungen. Wir machen es uns oft zu leicht, ihn besiegen zu wollen, ihn als Feind zu betrachten oder mit jeder verfügbaren „Keule“ wegzubringen. Er hat auch eine andere positivere Botschaft: Schau hin, was kränkt, erkenne seine Ursachen, versuche, ihn zu verstehen, zu deuten und eben auch in einer Weise zu akzeptieren.

Daraus entstehen heilende Kräfte und verbessern den Umgang mit ihm, lindern ihn sogar.

Im philosophischen und theologischen Verständnis wird schmerzliche Erfahrung als wesentlich angesehen, um Erkenntnis zu fördern, Erlösung zu finden und Wissen über die größeren Zusammenhänge zu vertiefen.

In der Literatur und im religiösen Verständnis werden schmerzhafte Erfahrungen als Voraussetzung angesehen: für Ankommen (Homer bei den Griechen),  die Irrwege des Lebens und deren Gefahren (Anäas in der römischen Antike) Erlösung (Parzifal im Mittelalter) und Verbundenheit mit dem Universellen und Befreiung von Zwängen und Einschränkungen jeglicher Art (Buddha) . Vor allem aber im Christentum wird der Kreuzweg als Voraussetzung für die Erlösung betrachtet. Mystiker (z.b. Hildegard von Binden) Eremiten (Antonius in der Wüste, Meister Eckehard..  ) und Askese-Lehrer (BUDDHA, Ignatius von Loyola u.a.) haben die reinigende und heilende Wirkung von Achtsamkeit, Genügsamkeit, innere Betrachtung und Einkehr beschrieben und deren Bedeutung für Inneres Wahrnehmen, persönlicher Entwicklung und einem insgesamt universellem Verständnis.

Es ist deshalb von großer Wichtigkeit, unsere Schmerzempfindungen in einem weiteren Blickwinkel zu betrachten; als Begleiter, Helfer und Lehrer. (Vgl. hierzu auch Th. DETHLEFSEN; Krankheit als Weg. (München 1983).

Achtsam und auch mit Respekt mit unseren Schmerzen umzugehen, verlangt eine neue Sicht und Einstellung.

Sie lässt sich auch üben und ist Teil von lebensphilosophischen Erörterungen und tieferen Einsichten in das Geschehen von Krankheit, Heilung und Erlösung.

Dies muss auch immer wieder geübt werden.

  • Welche schmerzlichen Erfahrungen haben mein bisheriges Leben bestimmt?
  • Welche konnte ich annehmen und was konnte ich daraus lernen?
  • Den jeweiligen Schmerz erstmals erkennen, beobachten und ohne Panik oder übertriebene Angst, mit ihm eine eher freundliche Beziehung knüpfen.
  • Üben, mit kleineren schmerzlichen Erfahrungen, Empfindungen und Erlebnissen lernen umzugehen (Übungen zur verbesserten Resilienz).
  • Schmerzerfahrungen mit Entspannung verknüpfen (Tiefenatmung und Entspannungsinstruktionen können Linderung und Akzeptanz verbessern, somit die Heilung fördern).

Bedürfnisse nach Konsum, Glück, Unterhaltung und Ablenkung werden so von einem noch tieferen Verständnis von geglücktem Sein, der spirituellen Qualität und der universellen Geborgenheit überhöht und werden so zur Richtschnur des Handelns.