Eine optimistische Lebenseinstellung ist ein wesentliches Merkmal eines resilienten, also widerstandsfähigen Menschen. Manche sind von Natur aus optimistisch. Wer das nicht ist, kann diese Fähigkeit entwickeln. Und es lohnt sich. Optimistische Menschen sind glücklicher, gesünder und erfolgreicher, haben ein widerstandsfähigeres Immunsystem und zeigen ein besseres Gesundheitsverhalten.

Einen Optimisten kennzeichnen Einstellungen, wie „Ich erwarte stets das Beste“. Sie blicken grundsätzlich zuversichtlich in die Zukunft. Ob dies daran liegt, dass sich die Dinge positiv entwickeln oder es am eigenen Beitrag liegt, ist hierbei zweitrangig.

Zur Unterstützung einer positiven Entwicklung sind im Bereich der positiven Psychologie vor allem der erlernte Optimismus nach Seligmann und der funktionale Optimismus nach Schwarzer und Renner, bekannt.

1. Erlernter Optimismus

Entscheidend ist nach Seligmann der innere Dialog. Hierin unterscheiden sich Pessimisten von Optimisten. Pessimisten nehmen schlechte Erfahrungen persönlich („Es ist mein Fehler“) und nehmen sie wahr als unabänderlich („es läuft immer so“) und alles andere beeinflussend („es wird jeden Aspekt meines Lebens untergraben“).

Wenn man ein schlechtes Ereignis auf diese Weise bewertet, projiziert man das gegenwärtige Scheitern in die Zukunft. Hierdurch werden Erwartungen im negativen Sinne gesät- auch bekannt als selbsterfüllende Prophezeiungen.

Ein Optimist nimmt ein Scheitern dagegen wahr als vorübergehend („dieses Mal lief es so“), speziell („in diesem Fall lief es so“) und äußerlich („äußere Bedingungen waren ungünstig“). Einem Menschen, der sich an einen solchen optimistischen inneren Dialog gewöhnt hat, fällt es wesentlich leichter, auch angesichts eines Misserfolgs optimistisch in die Zukunft zu blicken.

2. Funktionaler Optimismus

Der funktionale Optimismus bezieht sich auf eine konkrete Situation, die ein kompetenten Handels erfordert und eine entsprechend optimistische Einstellung hierzu, wie z.B. „wenn ich mit einer neuen Sache konfrontiert werde, weiß ich, wie ich damit umgehen kann. Nach Schwarzer und Renner werden hierunter auch Personen verstanden, die ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten angesichts von Gefahren und Hindernissen generell leicht überschätzen.

3. Grenzen des Optimismus

Optimismus allein kann uns natürlich nicht von Misserfolgen und Krankheit bewahren und darf nicht zu einem blinden Optimismus führen, der die Selbstverantwortung aushebelt oder die klare Sicht der Realität vernebelt. Unrealistischer Optimismus oder positive Illusionen sind nicht hilfreich. Dennoch überwiegen trotz der Grenzen, die Vorteile einer positiven Lebenseinstellung.

4. Flexibler Optimismus

In manchen Fällen ist es sogar sinnvoll, eine pessimistische Haltung einzunehmen. Dies gilt vor allem für einige Berufsgruppen, die Risiken voraussehen sollen, um entsprechende Vorkehrungen treffen zu können. Seligmann schlägt daher einen „flexiblen Optimismus“ vor. Es geht darum, uns der unterschiedlichen Denkweisen bewusst zu sein und situationsabhängig eine optimistische oder auch pessimistische Denkweise bewusst zu wählen.