Wenn wir frei von Schmerzen, Krankheit, Groll und Ärger etc. sind, fühlen wir uns oft einfach „normal“, oder wir machen uns gar keine Gedanken über unser Befinden. Das liegt daran, dass wenige Menschen geübt darin sind, die glücklichen Momente zu genießen („Savouring“) und zu würdigen.

Ein geglücktes Leben hat viel mit der inneren Einstellung und der eigenen Bewertung von Umständen zu tun und damit, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Natürlich hängt es auch von äußeren Umständen und unserer körperlichen Verfassung (bzw. Genetik) ab.

Nach Sonja Lyubomirsky sind diese drei Faktoren für das Glücklichsein jedoch prozentual folgendermaßen aufgeteilt:

  • Genetik 50 %
  • Handeln und Denken 40%
  • Äußere Umstände 10 %

Das bedeutet also, dass das eigene Handeln und Denken ausschlaggebender für unser Glück sind, als die äußeren Umstände. Indem wir unser Denken und Handeln ändern, können sich auch äußere Umstände verbessern. Zumindest jedoch verbessert sich unsere Einstellung und unser Glücksempfinden.

Erster Schritt hierfür ist sich die eigenen Denkmuster bewusst zu machen. Hierfür ist auch ein Coaching Gespräch sinnvoll. Anfangen kann man aber auch mit dem Schreiben von Tagebüchern, expressiven Schreiben (3 Tage nach einander jeweils 20 Minuten drauf los schreiben) oder auch mit Meditation (z. B. zehn Atemzüge lang allein auf die Ein- und Ausatmung achten). Auch mit dem Thema Optimismus (vgl. Blogbeitrag vom 25.01.2020) kann man sich mal befassen.

Gefühle

Für das Empfinden von Glück spielen neben der Art zu Denken auch unsere Gefühle eine Rolle.

Ein zufriedenes und geglücktes Leben bedeutet, dass häufig positive Emotionen lebendig sind und das eigene Leben kognitiv positiv und erfüllend bewertet wird.

Unterschieden werden seit der Antike zwei Formen von Glück: das Wohlfühlglück und das Werteglück.

Unter Wohlfühlglück versteht man das „angenehme Leben“ (Hedonistisches Glück)

  • Momente, die als angenehme und wohltuend erlebt werden
  • Tätigkeiten ausüben, die uns gefallen

Unter Werteglück versteht man eher das „erfüllte Leben“ (Eudaimonisches Glück)

  • Die persönlichen Werte und Ziele verfolgen (z.B. Gesundheit, Erfolg, Nähe, Sinn, Selbstannahme, Selbstbestimmtheit, persönliches Wachstum, Selbstwirksamkeit etc.)

Hierbei gibt also zwei unterschiedliche Motivationsformen und Ziele. Beim Wohlfühlglück geht es eher um spezifische Ereignisse. Beim Werteglück geht es um Inhalte und Prozesse.

Nach Ed Diener ist die Verbindung dieser beider Aspekte maßgeblich. Es geht darum, das eigene Potential zu erkennen, zu nutzen und zu realisieren.

Selbstreflexion

Welche Aktivitäten, Dinge, Ereignisse etc. sind in Ihrem Leben Quellen für Wohlfühlglück?

Welche für Werteglück?

Schreiben Sie jeweils 5 bis 10 Punkte auf und vergleichen Sie die beiden Listen. Welche Begriffe erscheinen in beiden Spalten?

Vergleichen Sie Ihre Glücksquellen nach folgenden Aspekten:

  • Wie lange hält das Glücksgefühl an?
  • Welche Zeitperspektive ist damit vorrangig verbunden? Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft?
  • Wo erleben Sie das Glück für sich allein, wo in Verbindung mit anderen Menschen?

Schließlich: Welche Erkenntnisse haben Ihnen diese Reflexion gebracht? Welche Veränderungen möchten Sie in ihrem Leben anstoßen?

(nach Daniela Blickhan, „Positive Psychologie“, Junfermann Verlag, 2018)